Gerda Rotermund

Radierung von Gerda Rotermund

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Die 1902 in Berlin geborene, 1982 dort gestorbene Gerda Rotermund ist nach Käte Kollwitz, die das Talent der Jüngeren früh erkannte und sie förderte, die bedeutendste deutsche Grafikerin der zwanziger bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Ihr Hauptwerk, der Radierungs-Zyklus "De profundis", entstanden in den Jahren 1945 - 1952, gehört zu den wenigen großen Zyklen der grapfischen Kunst im Deutschland des Zwanzigsten Jahrhunderts, die sich des deutschen Jahrhundert-Themas: Krieg, Flucht, Vertreibung, Tod angenommen haben. Zwar gibt es noch andere, zum Teil auch zyjklische Darstellungen des Themas Krieg, man denke an Werke von Otto Dix, George Grosz oder auch Karl Rössing. Doch ist - eine erstaunliche Feststellung - Gerda Rotermund die einzige deutsche Künstlerin der Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die sich in ihrem Werk der Folgen des Zusammenbruchs nach vorangegangener Hybris angenommen hat: der Leidensgeschichte Millionen Vertriebener, Ausgebombter und Flüchtlinge.

Gerda Rotermund hat mit diesem Werk - ähnlich wie der Malerarchitekt Johannes Niemeyer mit seinen Potsdamer Runinenlandschaften von 1945 - 1947 - einen bleibenden Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland und damit zu unserem Kunstbewußtsein als Geschichtsbewußtsein geleistet.

Die sechzehn Blätter des Zyklus "De profundis" erregten bald Aufsehen und machten die Malerin und Grafikerin weithin bekannt. Das Werk wurde 1952 mit dem Berliner Kunstpreis ausgezeichnet. Gleichwohl waren Viele, die in jenen ersten Nachkriegsjahren noch um ihre eigene Existenz und mit ihren Verletzungen, Verlusten und Erinnerungen zu kämpfen hatten, der Konfrontation mit diesem Werk kaum gewachsen. Gerda Rotermund schrieb dazu: "Alle sind begeistert, haben will ihn haben".
Das hat sich geändert. Das vollständige großformatige Mappenwerk ist bis auf wenige Exemplare längst vergriffen,  verschiedene einzelne Blätter sind in der Galerie Wannsee noch zu erwerben. Denn Rotermunds "De profundis" gilt unter Sammlern als eines der raren Werke, die für dieses große und schmerzhafte Thema eine gültige Form gefunden haben. Ihr Zyklus ist damit zu einem unentbehrlichen Bestandteil der Erinnerungskultur und Vergangenheitsverarbeitung in Deutschland geworden.
 
Anläßlich des 80. Geburtstages von Gerda Rotermund wurde der Zyklus "De profundis" in einer limitierten Auflage von 75 Exemplaren in Zusammenarbeit mit der Galerie Schwarz auf Weiß Lothar Klein erneut gedruckt und 1982 in einer Ausstellung in der Galerie WANNSEE Verlag in Anwesenheit der Künstlerin und ihrer Freundin, der Architektin Hilde Weström, vorgestellt.
Die Berlinische Galerie erwarb den gesamten Zyklus. Die Druckplatten befinden sich im Berliner Kufperstichkabinett.
Eine ständige Ausstellung einzelner Blätter des Zyklus "De profundis" findet sich in der Galerie Wannsee.

In einer Katalogmappe finden Interessenten eine Einführung in Leben und Werk der Künstlerin und einen Kommentar von Herwig Roggemann zu jedem der 16 Blätter des Zyklus in Reproduktion.

 

 

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