Das Haus

Das Haus unter dem tief herabgezogenen Dach, in dem der Eigentümer einen seiner kleinen Wohnräume auch für die gelegentlichen Aktivitäten der Galerie zur Verfügung stellt, ist, wie Historiker und Denkmalspfleger bestätigen, das älteste, bewohnte Haus in Wannsee. Es steht unter Denkmalschutz. Der Mittelteil mit der behauenen Balkendecke, ursprünglich eine Holzkate mit Strohdach und Lehmwänden, ist etwa 350 Jahre alt, möglicherweise aber auch älter. Denn das westslawische, „wendische“ Fischerdorf „Stolpe“ wird schon im 13. Jahrhundert erwähnt. Seine Bewohner waren Leibgeigene des Kurfürsten von Brandenburg in Potsdam. In einige der handgestrichenen Ziegelsteine im Kaminsims ist das Siegel „STOLPE A/W“ dieses kleinen, alten Dorfes Stolpe am Wannsee eingedrückt.

Erneuert und um die beiden Seitenflügel mit Backsteinwänden erweitert wurde das Haus zur Zeit Friedrichs des Großen. Viele seiner Kriegsveteranen siedelte der Preußenkönig in den Dörfern um Berlin an. Damals erhielt „Stolpe am Wannsee“ auch eine neue Kirche (entworfen von Stühler, einem Schüler des berühmten Berliner Stadtbaumeisters Schinkel) und ein Schulhaus. In der Mitte des Stolper Dorfangers aus drei gleichen Häuserzeilen, zwischen der heutigen Alsenstraße und dem Grünen Weg, lag das Gemeindehirtenhaus. In diesem urtümlichen Hause wohnte bis zu seinem Abriss in den Siebziger Jahren zuletzt der Schuhmacher Oberlein, der im anliegenden Stall auch eine "Ziegendeckstation" betrieb.

Bewohnt wurden die Sandhügel um die Untere Havel und damit auch das Gelände um das teilweise als Galerie mitgenutzte Haus am Grünen Weg Nr. 29 schon seit Steinzeiten, d. h. seit rund 7000 Jahren. In seinem Hof fand der Besitzer bei Bauarbeiten in 30 cm Tiefe ein kunstgerecht bearbeitetes Walzenbeil aus der mittleren Steinzeit. Archäologisch begutachtet und ins Berliner Bodendenkmalbuch eingetragen ist der Fund im Kaminzimmer des Bewohners unter Glas neben verschiedenen Feuersteinbeilen und anderen Steinzeitwerkzeugen aus der Region als faszinierende Zeugnisse ältester Handwerkskunst zu bewundern.

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